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Wenn der Guru im Blumentopf Tango tanzt

Das Clown-Duo RigoL & tOrF zu Gast in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Leider konnte ich wegen anderer Verpflichtungen erst nach der Pause die Vorstellung verfolgen, doch selten hat sich eine Hetzerei derart gelohnt. Denn was die beiden Clowns Rigol (Emmeran Heringer) und tOrF (Stefan Pillokat) in der gutbesuchten Trausteiner Kulturfabrik NUTS mit ihrem Programm „Solo zu zweit“ da aufboten, war nicht nur höchst unterhaltsam, sondern außerdem ein wahres Fest fürs Auge. Keine Spur von Pappnasen-Gehabe und tortenschlachtähnlichem Unfug, sondern herrlicht skurrile Szenen voller ausdrucksstarker Mimik, Pantomime und Akrobatik, verknüpft mit fein nostalgischem Flair.

Doch zunächst wurde es kurz gefährlich, denn kaum hatten wir unsere Plätze eingenommen, sollte ich tOrF bei einer „heiligen indischen Zeremonie“ assistieren. Das konnte ich mit einem Hinweis auf meine Berichterstattertätigkeit gerade noch abwenden, so dass ein anderer als Kerzenhalter fungieren durfte. Aber dem nicht genug: Etliche weitere „Freiwillige“ wurden benötigt, um den in Trance vesetzten Guru (Rigol) mit einiger Mühe in die richtige Position zu bringen, wo ihm der Kleinste dann buchstäblich in den Bauch treten durfte. Eine echte „special attraction“, um es mit tOrFs Worten zu sagen, der mit einem wüsten Kauderwelsch aus „very broken english“ und erfundenen Sprachen die Aufstellung des Gurus anleitete und nebenbei ausgiebig herumalberte.

Als braves Hausmütterchen „Frau Eleonore“ und ausgerüstet mit dem „Tao der Liebe“ machte sich tOrF dann daran, ein Pflänzchen zu hegen und zu pflegen. Bis Rigol (man hielt es kaum für möglich) dem überdimensionalen Blumentopf entstieg und als gelbe Rübe verkleidet ein erotisches Tänzchen mit Frau Eleonore wagte. Der Spaß verging tOrF allerdings, als ihm Rigol ein sogenanntes „Flammofon“ präsentierte, acht brennende Kerzen, die, von tOrF kurz angetippt, durchaus eine Melodie ergeben konnten. In diesem Fall den Schneewalzer, wie es schmerzerfüllter wohl kaum geht.

Kurz gesagt: Zwei wirklich begnadete Clowns (beide sind Absolventen der Schule für Clowns in Mainz und seit 2002 als Duo im deutschsprachigen Raum unterwegs), die anschließend noch als stumme Fußballer den Regeln des Spiels auf die Spur zu kommen versuchten und zuletzt als die „Brüder Karamasov“ erneut mit akrobatischen Einlagen brillierten. Ein ungewöhnlicher, ein wirklich schöner Auftritt, dem ich ein paar Zuschauer mehr gegönnt hätte. Aber Clownerien, selbst auf diesem Niveau, haben nun mal keinen hohen Stellenwert, wie es scheint. Schade.

(Wolfgang Schweiger, Traunsteiner Tagblatt, 29.10.2009)


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